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Ein Kurzbesuch in Glasgow

Das Riverside Museum und die "Glenlee" in Glasgow
Das Riverside Museum und die "Glenlee" in Glasgow

Bisher haben wir auf unseren Schottlandreisen die Stadt Glasgow immer sträflich vernachlässigt. Zeit, dies zu ändern und ihr einen Besuch abzustatten.

Der Charme der Stadt erschließt sich nicht auf den ersten Blick... ;-)


Die einwohnermäßig größte Stadt Schottlands liegt am River Clyde nur knapp eine Stunde Fahrzeit von Edinburgh entfernt. Da Glasgow von Deutschland (NRW) aus nicht täglich angeflogen wird, sind wir nach Edinburgh geflogen und dann mit dem Zug von Edinburgh Waverley nach Glasgow Central gefahren.

 

Wir haben uns im Bahnhof Waverley einfach am Schalter ein Ticket für 13,20 GBP/Person (Stand: Oktober 2019) gekauft und uns in den stündlich fahrenden Zug gesetzt. Die Fahrt hat reibungslos funktioniert, der Zug war sehr sauber und wir hatten - an einem Wochenende - keine Schwierigkeiten, einen Sitzplatz zu finden. Unter der Woche soll es voller sein.

Glasgow Central Station
Glasgow Central Station

Unterkunft

Unser Zimmer im Motel One Glasgow Central
Unser Zimmer im Motel One Glasgow Central

Wir haben uns für drei Nächte ins Motel One Glasgow Central eingebucht, welches direkt neben der Central Station liegt, an der auch unser Zug aus Edinburgh ankam. Das Bild der Central Station oben habe ich aus unserem Fenster geschossen. Ich hatte zuerst Bedenken, dass man evtl. die Züge oder Durchsagen hören würde, aber das hat sich nicht bestätigt. 

 

Das Doppelzimmer mit Duschbad war sehr neu und ansprechend ausgestattet. Alles war sehr sauber und ordentlich. Neben der üblichen Badausstattung (Handtücher, Duschgel, Shampoo etc.) gab es im Schlafraum an den Nachttischen sowohl Steckdosen als auch USB-Anschlüsse zum Laden des Smartphones o. ä. Geräte, einen Fernseher sowie einen Wasserkocher mit Kaffee und Tee.

 

Je nach Jahreszeit variieren natürlich die Preise, aber wir haben für das Doppelzimmer inklusive Frühstück 103 GBP/Nacht bezahlt (Oktober 2019), was für uns in Ordnung war. Was man wissen muss, ist, dass es nur "kontinentales" Frühstück gibt (also kein schottisches mit Bohnen, Haggis, Würstchen, gebratenen Tomaten etc.). Das Frühstücksbuffet bestand aus verschiedenen Brotsorten, süßem Gebäck, je zwei Sorten Käse und Wurst, Marmelade, Honig, gekochtem Ei, Joghurt, Obstsalat, Porridge sowie Kaffee und Tee. Je nach Uhrzeit konnte es recht voll werden, so dass es schwierig war, einen Platz zu finden. Da das Frühstücksbuffet in der Lobby/Bar aufgebaut wird, gibt es nur kleine Tischchen, mit denen man sich aber arrangieren konnte.

 

Die Bar im Motel One verfügt über eine sehr umfangreiche Gin-Karte (mehr als 40 Sorten).


Hop On, Hop Off

Sicherlich kennt ihr alle aus diversen Städten die roten Hop On/Hop Off-Doppeldeckerbusse, mit denen man eine geführte Stadtrundfahrt machen kann. Wenn ich das erste Mal in einer Stadt bin, die diesen Service anbietet, kaufe ich gern ein Ticket und fahre erstmal eine ganze Runde lang mit, um dann zu entscheiden, wo ich bei Runde zwei aussteigen und etwas angucken möchte.

 

In Glasgow kostete das Ticket für einen ganzen Tag 17 GBP/Person (Stand Oktober 2019) und für zwei Tage ein Pfund mehr (also 18 GBP/Person). Wir haben also ein Zwei-Tages-Ticket gekauft und sind damit quer durch die Stadt gefahren. Man kann an jeder Haltestelle ein- und aussteigen.

 

Die Touren werden in verschiedenen Sprachen angeboten. Es ist bei jeder Fahrt eine Reiseleitung an Bord, die die Sehenswürdigkeiten erklärt. Man kann sich beim Einstieg einen Kopfhörer mitnehmen, an seinem Platz einstöpseln und die für sich passende Sprache auswählen. Zwischendurch gibt es auch Fahrten, auf denen die Reiseleitung in anderen Sprachen als nur Englisch erfolgt.


Kelvingrove Art Gallery and Museum

Kelvingrove Art Gallery and Museum in Glasgow
Kelvingrove Art Gallery and Museum in Glasgow

Die 1901 eröffnete Kelvingrove Art Gallery and Museum beherbergt eine umfangreiche Sammlung aller möglichen Gegenstände. Tiere, Gemälde, ägyptische Mumien und mehr - ich finde, es ist eine recht kuriose Mischung... ;-)

 

Wie in vielen Städten Schottlands üblich, gilt auch für die Kelvingrove Art Gallery and Museum "Eintritt frei", Spenden werden gern entgegengenommen (vor Ort oder online). Für Sonderausstellungen ist Eintritt fällig.

 

Das Museum verfügt über barrierefreien Zugang über Aufzüge und es können kostenlos Rollstühle geliehen werden. Assistenzhunde sind willkommen und es gibt eine Unterstützung für Menschen mit Hörbehinderung. Shop und Café sind ebenfalls vorhanden.


University of Glasgow

University of Glasgow
University of Glasgow

Die University of Glasgow wurde 1451 gegründet. Sie ist die zweitälteste Universität Schottlands nach St. Andrews und die viertälteste in Großbritannien. Ursprünglich lag sie in der High Street, zog jedoch in den 1870er Jahren an ihren jetzigen Standort um.

 

Einige ihrer bekanntesten Absolventen bzw. Mitarbeiter sind James Watt (Ingenieur), der Physiker Lord Kelvin (der Namensgeber der entsprechenden Temperatureinheit) und der Chirurg Joseph Lister, bei dem die Tourleiterin auf unserem Hop On, Hop Off-Bus scherzhaft meinte, dieser sei vielen Leuten nur bekannt, weil heutzutage ein Mundwasser nach ihm benannt ist... ;-). Auch sieben Nobelpreisträger und drei britische Premierminister zählen zu den ehemaligen Absolventen der University of Glasgow.

 

Besucher können sich auf eigene Faust umschauen oder eine geführte Tour buchen.

Das Hunterian Museum - benannt nach dem Anatomen William Hunter - sowie die Hunterian Art Gallery sind beide kostenfrei für die Öffentlichkeit zugänglich und zeigen u.a. diverse Arbeitsmittel berühmter Uni-Absolventen oder auch Teile des römischen Antoninuswalls sowie das Mackintosh House (das Wohnhaus von Charles Rennie Mackintosh wurde in den 1960ern abgerissen, aber die Innenausstattung blieb erhalten und kann in der Hunterian Art Gallery besichtigt werden).


Riverside Museum und Glenlee

Das Riverside Museum in Glasgow
Das Riverside Museum in Glasgow

Foto: Andrea M.

Das Riverside Museum hat mir besonders gut gefallen. Es handelt sich um ein Transportmuseum, in dem sich von Skateboards über Motorräder, Autos, Busse und Bahnen bis hin zu Kinderwagen alle erdenklichen Fortbewegungsmittel finden lassen. Das imposante Gebäude wurde von Zaha Hadid entworfen. Auch für dieses Museum ist kein Eintritt fällig und ihr könnt spenden, wenn ihr möchtet.

 

Einige der Exponate - wie z.B. diverse Straßenbahnwagen oder die U-Bahn - können bestiegen werden und ihr könnt euch vorstellen, wie die Menschen früher "von A nach B" gekommen sind. Mir hat es sehr gut gefallen.

Das Museum liegt direkt am River Clyde und wenn man um das Gebäude herumgeht, kommt man zum Großsegler "Glenlee", den ihr ebenfalls kostenfrei besuchen könnt. Die "Glenlee" ist einer von fünf am Clyde gebauten Großseglern, die heute noch seetauglich sind. 

 

Der Dreimaster wurde 1896 als Frachtschiff in Dienst gestellt und erlebte in dieser Zeit allerlei Abenteuer - inklusive 15 stürmischer Umrundungen von Kap Hoorn. 1922 wurde er als Segelschulschiff an die spanische Marine verkauft und als solches bis 1969 genutzt. Danach diente er bis 1981 als Ausbildungsstätte und fiel anschließend im Hafen von Sevilla in einen Dornröschenschlaf. Ein britischer Schiffsbauingenieur entdeckte ihn dort im Jahr 1990. Der "Clyde Maritime Trust" konnte das Schiff, welches zu diesem Zeitpunkt "Galatea" hieß, zurückkaufen und so für die Nachwelt erhalten.

 

Der Eintritt ist frei, Spenden sind natürlich auch hier willkommen.


Clydeside Distillery

Clydeside Distillery Glasgow
Clydeside Distillery Glasgow

Foto: Andrea M.

Die Clydeside Distillery befindet sich in einem ehemaligen Pumpenhaus, welches früher zur Bedienung einer Schwenkbrücke benötigt wurde, die die Einfahrt in das "Queen's Dock" kontrollierte. Das Wasser für den hier hergestellten Whisky kommt aus Loch Katrine, der als Frischwasserreservoir der Stadt Glasgow dient.

 

Die Destillerie bietet verschiedene Führungen ab 15 GBP/Person mit Whiskyverkostung an. Da der Whisky der Clydeside Distillery allerdings noch etwas lagern muss (Stand Oktober 2019), verkostet man Whiskies anderer Destillerien. Es gibt einen Shop und ein Café, deren Ausstattung modern und komfortabel ist.

 

Die freundliche Anfrage einer Mitarbeiterin, ob wir eine Führung machen wollten, mussten wir leider ablehnen, da wir eine Buchung für einen Afternoon Tea in den "Willow Tea Rooms" auf der Buchanan Street hatten.


Charles Rennie Mackintosh und die Willow Tea Rooms

Einer der berühmtesten Söhne der Stadt Glasgow war der Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh (1868 - 1928) - ein wichtiger Vertreter des britischen Jugendstils und Begründer der Gruppe "The Four". Zu seinen bedeutendsten Bauwerken zählt die Glasgow School of Art, die 2014 und 2018 während Restaurierungsarbeiten durch Feuer schwer beschädigt wurde.

 

Für Catherine Cranston gestaltete Mackintosh insgesamt vier Tea Rooms in Glasgow, darunter das noch am Ursprungsort erhaltene "Mackintosh at the Willow" in der Sauchiehall Street 217, welches nach umfangreicher Restaurierung im Jahr 2018 wiedereröffnet wurde. Hier stammten sowohl die Außen- als auch die Innengestaltung von Charles Rennie Mackintosh und man hat sich bemüht, alles möglichst originalgetreu wiederherzustellen.

 

Nach dem Tod von Miss Cranston gab es wechselnde Eigentümer und Streitigkeiten um die Namensgebung der Tea Rooms. In der Buchanan Street gibt es daher "The Willow Tea Rooms", in dem die Räumlichkeiten der Gestaltung der ursprünglich in der Ingram Street befindlichen Lokalität nachempfunden sind. Sowohl Sauchiehall Street als auch Buchanan Street haben neben dem Café/Restaurant auch einen Mackintosh Gift Shop.

 

Das Originalinterieur des Tea Rooms in der Ingram Street wurde 1971 abgebaut, nummeriert und in der Sammlung von Glasgow Museums aufbewahrt. Im V&A Museum in Dundee wurde es wieder aufgebaut und kann nun dort bewundert werden (ohne Mobiliar). 

 

Wir waren zum traditionellen Afternoon Tea in der Buchanan Street. Dieser wurde auf einer dreistöckigen Étagère serviert. Auf dem unteren Boden gab es diverse Sandwiches (mit Lachs, Eiersalat, Schinken, Gurke etc.), in der Mitte klassische Scones mit Erdbeermarmelade und Clotted Cream und auf der oberen Etage Shortbread und ein Stück Kuchen nach Wahl/Person. Dazu natürlich Tee oder - in meinem Fall - Cappuccino. Hört sich nicht nach viel an, ist aber mächtig! Mein Kuchenstück habe ich nicht mehr ganz geschafft... ;-)

 

Der Afternoon Tea kostete 13,50 GBP/Person (Stand Oktober 2019).


Glasgow Cathedral und Necropolis

Glasgow Cathedral
Glasgow Cathedral

Die Glasgow Cathedral ist das älteste Gebäude Glasgows und steht an der Stelle, an der St. Mungo - der Schutzheilige der Stadt - seine ursprüngliche Kirche gebaut hatte. Die mittelalterliche Kathedrale ist die einzige auf dem schottischen Festland, die die Reformation im 16. Jahrhundert nahezu unbeschadet überstanden hat. In der Krypta befindet sich das Grab St. Mungos.

 

Was ich ungewöhnlich fand, war, dass die Kathedrale fast leer war. Bänke/Stühle gab es nur in einem Teil des Kirchenschiffs. An einigen Stellen konnte man sehen, wie schwierig es ist, ein solch altes Gebäude zu erhalten. Manche der Steinbögen waren mit OSB-Platten gestützt. Die Kathedrale hat feste Öffnungszeiten. Wir hatten Glück und konnten gerade eben noch durch die Tür hineinschlüpfen, die kurz darauf geschlossen wurde.

 

 Bei Glasgow Necropolis handelt es sich um einen 15 Hektar großen viktorianischen Friedhof auf einem Hügel direkt neben der Kathedrale, der von der Kaufmannsgilde "Merchants of Glasgow" angelegt wurde und auf dem über 50.000 interkonfessionelle Bestattungen stattgefunden haben. Unter den ca 3.500 Grabmalen befinden sich einige, die von bekannten Architekten oder Bildhauern gestaltet wurden.

 

Bei schönem Wetter bietet Glasgow Necropolis einen wunderbaren Ausblick über die Kathedrale und die Stadt Glasgow.

 

Wir haben das Gelände auf eigene Faust erkundet, aber es gibt auch geführte Touren von "Friends of Glasgow Necropolis".


People make Glasgow

People make Glasgow
"People make Glasgow" ist der Slogan der Stadt

2013 befragte die Stadt Glasgow über 1500 Menschen aus 42 Ländern - darunter Einwohner, Fans und Besucher - was ihrer Meinung nach Glasgow ausmache. Die häufigste Antwort war, dass es die Menschen sind, die die Stadt zu etwas Besonderem machen. Hieraus entwickelte man den Slogan "People make Glasgow", der einem überall begegnet.


Was wir leider nicht gesehen haben

Drei Tage in Glasgow reichen leider nur für einen groben Überblick.

 

So haben wir die Universität nur von außen angeschaut und z.B. nicht das Hunterian Museum besucht, welches mich auf jeden Fall noch interessiert. Auch das "Mackintosh at the Willow" ist sicherlich einen Besuch wert. Am Clyde Arch, dem SSE Hydro (einer Konzertarena), dem "Armadillo" (einem Konferenzzentrum), dem Glasgow Green oder dem Botanischen Garten sind wir nur vorbeigefahren.

 

Was viele nicht wissen, ist, dass Glasgow über die viertälteste U-Bahn der Welt verfügt. Das Netz ist 10,5 km lang und besteht seit 1896.

 

Außerdem gibt es in Glasgow einen umfangreichen "mural trail" (einen Weg entlang diverser Wandmalereien), der dazu beitragen soll, in die Jahre gekommenen Gebäuden - von denen es hier reichlich gibt - zu etwas neuem Glanz zu verhelfen. Viele der Bilder haben wir nur im Vorbeigehen bzw. -fahren wahrgenommen.


Fazit

Foto oben links: Andrea M. / Foto unten Mitte: Andrea M.


Der Charme Glasgows ist nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar. Es gibt viele verfallene Gebäude, aber auch reichlich Baustellen, an denen Neues entsteht bzw. Altes wieder hergerichtet wird. Trotzdem ist die Stadt einen Besuch wert.

 

Wart ihr schon mal in Glasgow?

Wenn ja, was hat euch besonders gut gefallen (oder auch nicht) und wenn nicht, steht die Stadt noch auf eurer Liste?



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